Bushido - Die Autobiografie
Dienstag, 19. Mai 2009 | Autor: Lilu

Edles Profil, abgelichtet in stilvollen Schwarz-und Grautönen.
Ausgezehrtes, stoppelbärtiges Boxergesicht. Der Blick nach innen
gerichtet, in sich ruhend. Und doch brandgefährlich. Jederzeitige
Ausbruchsgefahr möglich. Darunter der Namenszug in fettestem Gold. Die
prollige Seite. Suggeriert wird: Ich habs gepackt, ihr Opfer! Ein
Lieblingsausdruck für all jene, die es in ihrem Leben nicht an die
Spitze geschafft haben. Und so lernen wir recht bald: Auch wenn in
Afrika Menschen verhungern, baumeln Brillanten für 230.000 Euro an
meinem Handgelenk. Der Klappentext bellt dazu unmissverständlich: Wer
die Wahrheit nicht verträgt, soll mir nicht meine Zeit stehlen. Ziehen
wir uns also warm an, wenn Bushido, Deutschlands Rapper No. 1, mit
seiner Version der Wahrheit über uns kommt! Am allerwenigsten, so
der zunehmende Leseeindruck, wird man in diesem Lebensbericht eines
Musikers mit Musik behelligt. Fast scheint es, als würde der
Deutsch-Tunesier Anis Ferchichi zusehends zu einer Art
One-Man-Freakshow der krassen Tabubrüche verkommen. Und der Boulevard
bedient sich scheinheilig und hemmungslos. Talkmaster vergießen
seinetwegen literweise Angstschweiß, nicht ohne nach der Quote zu
schielen. Sprengt er nun ihre Sendung mit seinen ständigen F Wörtern,
den abseitigen Gewaltfantasien, krassen Schwulen- und Frauenbildern,
die eine Alice Schwarzer in den Suizid treiben könnten? Seit Wochen
schon verkündigt BILD das Erscheinen des Buches und seiner heißen
Themen wie die Niederkunft eines dunklen Messias. Was ist mit dem
verhassten Vater? Wie lief das mit der Mafia? Und dem Puff? Keine
Sorge, Bushido liebt die klare Ansage. Hier kriegt jeder sein Fett
weg.
Lauschen wir also dem, der als Erster diesen asozialen
Gangster-Lifestyle an eine breite Öffentlichkeit herangetragen hat.
Bereits die ersten Lebensstationen schienen dafür zu prädestinieren.
Zwei prügelnde Väter, die je ein Kind hinterließen und sich dann
verdrückten (das Wiedersehen mit dem krebskranken tunesischen Vater war
in letzter Zeit ja regelrecht Gegenstand nationalen Interesses). Die
über alles geliebte Mama, die große Lebensmeisterin. Bushidos jüngerer
Halbbruder, für den er Vaterersatz war. Frühe Karrierestationen als
Ladendieb und Drugdealer. Gangsterauftrieb am heimischen Herd.
Jugendgericht. Was moderne Soziologen als Prekariat identifizieren
würden, gilt in Bushidos Wertewelt als prägende, starkmachende
Erfahrung fürs Leben. Auffällig, wie große Gefühle regelrecht
weggebissen werden. Tritt die junge Selina in Bushidos Leben, wird
diese erste große Liebe als eher verstörende Empfindung wahrgenommen.
Nachdem Selina ihn verlassen hat (eine erste schlimme Erfahrung),
beginnt der große Rachefeldzug am weiblichen Geschlecht.
Ein
merkwürdiges Buch, ein merkwürdiger Mensch. So anziehend wie abstoßend.
Mal spielt Bushido den urbanen Robin Hood, dann wieder tritt er als
talibanhafter Erzreaktionär auf, unfähig zu Toleranz und
differenzierteren Sichtweisen. Oder sehen wir uns einem Schlitzohr
ausgesetzt, das die Medienklaviatur einfach perfekt beherrscht? Einem
düster rappenden Joker, der uns Opfern genüsslich und gnadenlos seine
6.000 EURO teure Breitling-Uhr unter die Nase reibt.
Dauer: 03:44:40 | Format: mp3 | Größe: 519 MB
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oder im Container
http://linksave.in/18130863564a1290196ae07

Thema: Biografien als Hörbuch | Kommentare geschlossen






























