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Die Deutschen - Teil 10 - Wilhelm und die Welt

Donnerstag, 27. November 2008 | Autor: Lilu

~ Folge 10 ~
Wilhelm und die Welt
Zwischen Größenwahn und Depression

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Das Deutsch Reich zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Zu klein, um über andere zu herrschen und zu groß für die Balance der Mächte in Europa. Weltmacht sein, das will Kaiser Wilhelm II. Viele im Volk halten diesen Kaiser für den idealen Repräsentanten. Es ist die Zeit der Pickelhauben und Paraden.

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Wilhelm will im Konzert der Weltmächte mitspielen. Zwar sind die Kolonien weitgehend verteilt, doch der Kaiser klaubt die letzten kolonialen Krümel im Pazifischen Ozean auf. Wilhelm sieht sich als ein Alleinherrscher im Reich, obwohl es einen Kanzler und ein Parlament gibt. Für ihn ist jeder Deutsche, der ihn und damit die Nation kritisiert, ein schlechter Patriot. Sein Verhältnis zur Arbeiterschaft ist gespalten. Industriearbeiter beginnen sich zu organisieren und fordern eine politische Vertretung. Dafür steht die SPD. Für Wilhelm sind Sozialdemokraten, “eine Rotte von Menschen, nicht wert den Namen Deutscher zu tragen”. Innenpolitisch droht dem Kaiserreich die Spaltung.

Diplomatisches Geschick zählt nicht zu Wilhelms Stärken. Berüchtigt ist seine “Hunnenrede”: Im Sommer 1900 kommt es in China zum “Boxeraufstand” gegen die westlichen Kolonialherren. Jetzt will Wilhelm den Europäern zeigen, wie man sich Respekt verschafft. Beim Abschied deutscher Truppen, die den Aufstand niederschlagen helfen sollen, fordert er seine Soldaten zu brutalem Vorgehen auf: “So wie die Hunnen.” Seine Worte gehen um den Erdball und prägen das Bild der Deutschen in der Welt. In Berlin regt sich bald Kritik am persönlichen Regiment des Kaisers.

Wettrüsten im Flottenbau mit England

Die Marine hatte es Wilhelm schon als Kind angetan. Seit 1906 liefern sich Deutschland und England im Flottenbau ein beispielloses Wettrüsten. England sieht sich und das europäische Gleichgewicht bedroht. Es hat mit Frankreich und Russland Allianzen gebildet. Deutschland gerät zwischen zwei Fronten.

Als am 28. Juni 1914 ein serbischer Nationalist den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau erschießt, eskaliert die Lage: Österreich will mit den Serben abrechnen und seine Vorherrschaft auf dem Balkan sichern. Deutschland steht Österreich im Krieg zur Seite. Am 29. Juli 1914 eröffnen österreichische Geschütze die Kanonade auf Belgrad. Europa taumelt in den Krieg: die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Der technische Fortschritt macht diesen Krieg zu einem Massensterben.

Abschied des Kaisers

Im Sommer 1918 ist das deutsche Heer am Ende und im September erklärt die Heeresleitung, die Fortführung des Kampfes sei aussichtslos. Wilhelm muss dem parlamentarischen Regierungssystem zustimmen, um die Friedensverhandlungen mit den Westmächten zu erleichtern. Fast über Nacht erhält das deutsche Volk eine Demokratie.

Wie ein Flächenbrand breitet sich in dieser Phase die Novemberrevolution in ganz Deutschland aus. Der Aufstand erreicht Berlin. Die Reichsregierung unter dem neuen Kanzler Max von Baden fürchtet eine Revolution wie in Russland und bittet den Kaiser abzudanken. Der befindet sich an diesem Tag in seinem Hauptquartier in Belgien und weigert sich bis zuletzt, auf den Thron zu verzichten. Auf Druck der Straße verkündet der Kanzler am Mittag des 9. November der Welt eigenmächtig die Abdankung des deutschen Kaisers.

Geburt der Republik

Der Druck der Straße beseitigt das Kaisertum. Am 9. November ruft Philipp Scheidemann die erste deutsche Republik aus. “Der Kaiser hat abgedankt, er und seine Freunde sind verschwunden. Über sie alle hat das Volk auf der ganzen Linie gesiegt. Das Alte und Morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen. Es lebe das Neue! Es lebe die deutsche Republik!”

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Die Deutschen - Teil 9 - Bismarck und das Deutsche Reich

Donnerstag, 27. November 2008 | Autor: Lilu

~ Folge 9 ~
Bismarck und das Deutsche Reich
Vom Kleinstaatler zum Nationalkämpfer

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Mitte des 19. Jahrhunderts: Noch immer sind die Deutschen nicht in einem Staat geeint. Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck will das ändern. Nicht mit Parlamenten oder durch Mehrheiten, sondern wie er sagt, “mit Blut und Eisen”.

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Berlin am 7. Mai 1866: Der 22-jährige Student Ferdinand Cohen-Blind will den drohenden Krieg gegen Österreich verhindern, bei dem auf beiden Seiten Deutsche stehen. Cohen-Blind sieht dafür nur eine Lösung: Er muss den Mann beseitigen, der für die meisten Deutschen die treibende Kraft für den Krieg ist: Bismarck. Doch das Attentat misslingt. Bismarck wird zwar von mehreren Kugeln getroffen, doch seine dicke Kleidung dämpft ihre Wucht und die Feuerkraft der Pistole ist zu schwach.

Preußen und Österreich dominieren

Deutschland besteht in dieser Zeit aus über 30 unabhängigen Staaten, die sich im Deutschen Bund zusammengeschlossen haben. Den Ton geben die Großmächte Österreich und Preußen an. Als sich Preußen die Herzogtümer Schleswig und Holstein gegen Österreichs Willen einverleiben will, kommt es zur Machtprobe. Wer hat das Sagen in Deutschland? Österreich oder Preußen?

Die Entscheidung ob Krieg oder Frieden fällt am 14. Juni 1866 in Frankfurt am Main, dem Sitz des Deutschen Bundes. Österreichs Antrag das Bundesheer gegen Preußen mobil zu machen wird angenommen. Preußen betrachtet diese Abstimmung als Kriegserklärung und erklärt seine Mitgliedschaft im Bund für nichtig. Das bedeutet das Ende des Deutschen Bundes, weil die Staaten das tun, was der Bund verhindern sollte: Krieg gegeneinander führen.

Preußens Trumpf

In der Schlacht von Königgrätz gegen Preußen entgeht die Armee Österreichs und seiner Verbündeten knapp der völligen Vernichtung. Die Preußen spielen ihren Trumpf aus: das preußische Zündnadelgewehr, der erste gut funktionierende Hinterlader. Damit können preussische Soldaten schneller und im Liegen nachladen, dabei in Deckung bleiben. Ein tödlicher Vorteil gegenüber den mit Vorderladern bewaffneten Österreichern. Der Kampf um die Vorherrschaft im Deutschen Reich ist im Sinne Bismarcks geregelt.

Deutschland und Österreich gehen fortan getrennte Wege. Österreich wird förmlich aus der deutschen Geschichte gedrängt. Der Sieg über Österreich macht Bismarck zum Triumphator. Sein Sieg ist dem preußischen Vaterland ein Denkmal wert: Die Siegessäule in Berlin.

Vorstufe zum geeinten Deutschland

Der Norddeutsche Bund von 1866 - unter preußischer Führung - ist die Vorstufe zum geeinten Deutschland wenige Jahre später. Die südlichen Länder wie Bayern, Baden und Württemberg bleiben zunächst außen vor.

Das ändert sich mit dem Krieg gegen Frankreich 1870. Der gemeinsame Gegner schmiedet die Deutschen zusammen und eint die Nation. Die erfolgreiche Schlacht von Sedan wird später zu einem deutsch-nationalen Mythos erklärt. Im Januar 1871 hebt Bismarck - im Schloss von Versailles - den preußisch-deutschen Nationalstaat aus der Taufe. Zum ersten Mal in ihrer Geschichte leben die Deutschen vereint in einem Nationalstaat mit einer gemeinsamen Hauptstadt: Berlin. Bismarck ist “Reichskanzler” des neuen Deutschen Reiches. Doch das von ihm geschaffene Reich war zu groß für das harmonische Konzert der Mächte in Europa und zu klein, um über sie zu herrschen.

Die Bilanz

Die Gesamtbilanz von Bismarcks Innenpolitik fällt gemischt aus. Auf der einen Seite stehen die Schaffung einer modernen Volksvertretung sowie der Beginn des Sozialstaats mit Kranken-, Unfall- und Rentenversicherung. Auf der anderen Seite kämpft Bismarck gegen Sozialdemokratie und katholische Kirche. Die äußere Einigung glückte dem Kanzler Bismarck - die innere verzögerte er.

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Die Deutschen - Teil 8 Robert Blum und die Revolution

Donnerstag, 20. November 2008 | Autor: Lilu

~ Folge 8 ~
Robert Blum und die Revolution
Ein unbekannter Held

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“Es gilt nur siegen oder sterben und wer das Erstere will, muss zeigen, dass er zum Letzteren bereit ist.” Das schreibt Robert Blum drei Monate vor seiner Hinrichtung an seine Ehefrau Jenny. Der Revolutionär stirbt wie ein Märtyrer für seine Überzeugung: Freiheit und Einheit auf deutschem Boden. Aus heutiger Sicht wirkt der Freiheitsfreund wie ein Vorkämpfer der parlamentarischen Demokratie. Was für uns in Deutschland heute selbstverständlich ist, dafür hat Robert Blum mit seinem Leben bezahlt.

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Die Deutschen - Teil 7 Napoleon und die Deutschen

Mittwoch, 19. November 2008 | Autor: Lilu

Ausgerechnet ein fremder Kaiser ist es, der Deutschland in ein nationales Zeitalter katapultiert: Frankreichs Jahrhundertherrscher Napoleon. Durch seine Eroberungen und Reformen finden die Deutschen mehr denn je zueinander. Was ihm gelingt, hatte zuvor niemand erreicht: die politische Erweckung der “deutschen Nation”.

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Die Deutschen - Folge 6 Preußens Friedrich und die Kaiserin

Donnerstag, 13. November 2008 | Autor: Lilu

~ Folge 6 ~
Preußens Friedrich und die Kaiserin
Duell zwischen Preußen und Österreich

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Viele Regenten herrschten im Deutschland des 18. Jahrhunderts. Doch zwei Monarchen ragen heraus: Preußens Friedrich und Österreichs Maria Theresia. Sie sind Rivalen, die unterschiedlicher kaum sein konnten: Die lebensfrohe Habsburgerin Maria Theresia aus dem katholischen Wien und der verschlossene Hohenzollern-König Friedrich II. aus dem protestantischen Potsdam.

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Die Deutschen - Folge 5 Wallenstein und der Krieg

Dienstag, 11. November 2008 | Autor: Lilu

~ Folge 5 ~
Wallenstein und der Krieg
Genialer Feldherr oder Verräter

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Es ist ein Kampf um die religiöse und politische Vorherrschaft im Reich und in Europa: Katholiken gegen Protestanten. Ein Mann soll für den Kaiser die Anhänger der Reformation besiegen: Der Feldherr Albrecht von Wallenstein.

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Schicksalstag ist der 23. Mai 1618: Mit einem Gewaltakt auf der Prager Burg nimmt eine der dunkelsten Epochen in der deutschen und europäischen Geschichte ihren Anfang. Protestanten stürzen die Statthalter des katholischen Monarchen Kaiser Ferdinand II. kurzerhand aus dem Fenster. Dank “göttlicher Fügung” - genau genommen dank eines Misthaufens im Burggraben - überleben die Männer den Sturz aus 17 Metern Höhe. Der Prager Fenstersturz löst eine Spirale der Gewalt aus. Der Konflikt mündet im Dreißigjährigen Krieg.

Das Jahr 1625: Kaiser Ferdinand will seine Macht gegenüber den Fürsten stärken und den Protestantismus gewaltsam eindämmen. Böhmen und die Pfalz fallen an die Katholiken, die immer weiter bis in den Norden vordringen. Jetzt regt sich Widerstand bei den europäischen Nachbarn. Der protestantische König von Dänemark fürchtet um seine Vorherrschaft im Ostseeraum und erklärt Kaiser Ferdinand den Krieg.

“Der Krieg ernährt den Krieg.”

Ferdinand benötigt dringend Truppen und Waffen. Jetzt schlägt die Stunde von Wallenstein. Der Kriegsunternehmer macht dem Kaiser das unwiderstehliche Angebot, binnen kurzer Zeit ein 50.000 Mann starkes Heer aufzustellen. Wallenstein, nun mit einer außergewöhnlichen Machtfülle ausgestattet, erweist sich als Finanzgenie und glänzender Organisator.

Wallenstein perfektioniert das Geschäft mit dem Krieg: Das Geld, das er aus seiner eigenen Kasse vorlegt, will er sich in den Kriegsgebieten zurückholen. Eine Kalkulation ohne Skrupel. Er investiert in neue Soldaten und neue Waffen. Und das auf Kosten der Bauern, der Handwerker, der Händler und der Bürger, die für Wallensteins Truppen die Logis stellen, Lebensmittel liefern und für die Soldzahlungen aufkommen müssen. Getreu dem Motto Wallensteins: “Der Krieg ernährt den Krieg.”

Millionen Menschen sterben

Jetzt entfesselt sich endgültig ein Krieg, der lange Zeit als der Krieg der Kriege gilt: Er dauert schier endlose 30 Jahre. Millionen von Menschen sterben durch Hunger, Seuchen und rohe Gewalt. Wallenstein weiß diesen Krieg für sich zu nutzen.

Er steigt zu einem der mächtigsten Männer im Reich auf. Unter seinem Kommando wird die kaiserlich-katholische Herrschaft wieder bis an die norddeutschen Meere vorgeschoben. Bis Schweden auf der Seite der Protestanten eingreift - ein entscheidender Wendepunkt. Denn jetzt betritt ein anderer Mächtiger deutschen Boden: König Gustav Adolf von Schweden. Seine Truppen dringen bis in den Süden Deutschlands vor. 1632 kommt es zur Schlacht bei Lützen: Wallenstein und König Gustav stehen sich gegenüber. Der schwedische König stirbt und Wallenstein entrinnt nur knapp dem Tod.

Wallensteins tödliches Umdenken

Der Kriegsunternehmer sieht nun keinen Sinn mehr in seinem todbringenden Gewerbe. In Anbetracht der Eskalation kommt Wallenstein zu der Einsicht, dass sich der Krieg als Geschäft nicht mehr lohnt und dass nur ein Ausgleich zwischen den Mächten und den Konfessionen dem Gemetzel ein Ende bereiten kann. Der Kaiser unterstellt ihm Hochverrat. 1634 machen die eigenen Soldaten Jagd auf Wallenstein. Der Kaiser hat ihnen ein Kopfgeld versprochen. Wallenstein stirbt, weil er den Krieg nicht mehr für andere führen wollte - schon gar nicht um des Glaubens willen.

14 lange Jahre sollte der Krieg noch dauern, der Deutschland verwüstet und ein Drittel seiner Bewohner um ihr Leben bringt. Erst 1648 wird der Westfälische Friede geschlossen.

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[ZDF] Die Deutschen - Teil 4 - LUTHER und die Nation

Donnerstag, 6. November 2008 | Autor: Lilu

~ Folge 4 ~
Luther und die Nation
Der Förderer der deutschen Sprache

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Mit seinem Protest gegen die römische Kirche und seinem Einsatz für den Glauben einte und spaltete er die Deutschen gleichermaßen: Der Reformator Martin Luther. Als einfacher Augustinermönch stellt er sich gegen den damals mächtigsten Mann der Welt: Kaiser Karl V. Trotz des ungleichen Machtverhältnisses verteidigt Luther seine Schriften vor dem Reichstag in Worms: Der 17. April 1521 sollte einer der Schlüsselmomente in der deutschen Geschichte werden. Für Luther geht es um Leben und Tod.

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Der 16. April 1521: Auf dem Weg zum Reichstag in Worms sind 7000 Menschen gekommen, um den berühmten Reformator zu sehen. Der Mönch aus Wittenberg ist Hoffnungsträger vor allem für Bürger und Bauern. Den Papst und den Kaiser hat er gegen sich - das Volk in Deutschland steht hinter ihm.

Ist die Gnade Gottes käuflich?

Es ist die Zeit, in der das Geschäft mit dem Sündenerlass blüht: Einfache Bürger werden gedrängt, so genannte Ablassbriefe zu kaufen. Die Kirche stopft mit dem Handel die Löcher in ihren Kassen. Luther prangert diese Praxis an. Er erklärt, dass niemand zwischen Gott und den Gläubigen stehe, schon gar nicht die römische Kirche. Für Luther ist die Botschaft der Bibel das alleinige Maß. Bereits 1517 verfasste er die 95 Thesen, um über den Irrglauben der Ablassbriefe aufzuklären.

Vier Jahre später in Worms soll Luther dafür büßen. Ihm droht der Tod. Der Papst hat ihn als Ketzer verurteilt. Doch Luther widerruft nichts. Karl V. erklärt ihn zum Feind der Kirche und des Reiches - Luther ist damit vogelfrei und befindet sich in höchster Gefahr.

Entführt und in Sicherheit gebracht

Um die Vollstreckung des Wormser Urteils zu verhindern, wird der Reformator mit einer vorgetäuschten Entführung an einen geheimen Ort gebracht. Auf der Wartburg bei Eisenach beginnt Luther ein revolutionäres Werk: die Übersetzung der Bibel ins Deutsche. Das Wort Gottes soll für jedermann verständlich und auch für einfache Leute zugänglich werden.

Noch während Luther an seiner Bibelübersetzung arbeitet, breitet sich die Reformation aus. In seinem Versteck hat Luther keine Kontrolle über die Wirkung seiner Botschaft: Die Bauern beginnen einen Aufstand. Und berufen sich dabei auch auf ihn.

Ein “Medienstar” seiner Zeit

Nach heutigem Verständnis gehörte Luther zu den frühen “Medienstars” der deutschen Geschichte. Berühmt sind seine überlieferten Sprüche wie: “In der Woche zwier, schadet weder ihm noch ihr.” 1525 heiratet der ehemalige Mönch die frühere Nonne Katharina von Bora. Die Abschaffung des Zölibats hat er schon lange gefordert. Sechs Kinder bekommen die beiden. Die Verteufelung der Sexualität im Zusammenhang mit Religion hat jetzt ein Ende - auch Pfarrer sind Menschen aus Fleisch und Blut: Eine Botschaft, die einschlägt wie eine Bombe.

Luthers zentrale Botschaft zielte auf das Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen. Sein Wirken veränderte Deutschland, Europa und in gewisser Weise auch die Welt. Das konnte er so nicht voraussehen und das wollte er in dieser Form auch nicht Der Reformator ist der erste, der explizit die deutsche Karte ausgespielt und an nationale Gefühle appelliert hat. Deutschland ist auch dank ihm mehr denn je durch seine Sprache verbunden - aber im Glauben gespalten.

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Thema: Die Deutschen [ZDF], Sonstiges | Beitrag kommentieren

Die Deutschen - Das Making of

Montag, 3. November 2008 | Autor: Lilu

Am Sonntag, 26. Oktober 2008, 19:30 Uhr, startet die zehnteilige ZDF-Dokumentarreihe “Die Deutschen”, eine spannende Zeitreise durch zehn historische Epochen - von den Anfängen unter Otto dem Großen im 10. Jahrhundert bis zur Ausrufung der ersten deutschen Republik durch Philipp Scheidemann im November 1918. Dokumentationen, die zentrale Ereignisse aus zehn Jahrhunderten deutscher Geschichte spiegeln sollen, stehen vor großen filmischen und produktionellen Herausforderungen. Den Blick hinter die Kulissen präsentiert das ZDF am 26. Oktober um 01:35 Uhr in der Sendung “Die Deutschen - Das Making of”.

Bilder von den Dreharbeiten zeigen, wie aufwändig sich die szenische Gestaltung einer solchen Reihe vor Ort darstellt. Die Macher kommen zu Wort, die vor und hinter der Kamera an dem Projekt mitgewirkt haben.

Interviews mit Schauspielern, Autoren, Redakteuren sowie Regisseuren geben Aufschluss über die Genese des Projekts. Das “Making of” zeigt eindrucksvoll, wie Vergangenheit mit Hilfe aufwändiger Computeranimationen wieder “lebendig” wird, ob es sich um große Schlachten handelt oder Schlüsselereignisse, die sich an berühmten Schauplätzen abspielten.

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Die Deutschen - Folge 3 - Barbarossa und der Löwe

Montag, 3. November 2008 | Autor: 2Rush4U

~ Folge 3 ~

Barbarossa und der Löwe

Rivalität in der Familie

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Er ist der König der Deutschen und will als Kaiser über das
Abendland herrschen: der Staufer Friedrich Barbarossa. Sein Reich
erstreckt sich bis Süditalien. Er gilt als glanzvoller, tatkräftiger
und tugendhafter Herrscher. Doch seine Herrschaft ist umstritten.
Mächtige Rivalen fordern den Monarchen heraus - auch sein einstiger
Verbündeter Heinrich der Löwe.

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Rom am 18. Juni 1155: hoher Besuch in der ewigen Stadt. Einen deutschen
König haben die Römer zwei Jahrzehnte lang nicht gesehen. Wegen seines
roten Bartes nennen ihn die Bürger von Rom “Barbarossa”. Er ist
gekommen, um sich vom Papst zum Kaiser krönen zu lassen. Friedrich
Barbarossa wird der 10. deutsche König mit der römischen Kaiserkrone.

Erneuter Konflikt mit dem Papst


Barbarossa will mit dem Papst mindestens auf einer Stufe stehen.
Jahrzehnte nach dem “Gang nach Canossa” geht es wieder um die Frage:
Ist der Kaiser ein Gefolgsmann des Papstes oder steht er
gleichberechtigt neben dem Pontifex? Der Konflikt mit dem
Kirchenoberhaupt eskaliert. Auch die Bürger Roms rebellieren gegen den
deutschen König.

Mit einer neuen Frau erweitert Barbarossa seinen Machtbereich: Im Juni
1156 heiratet der 34-Jährige auf dem Hoftag in Würzburg die 16-jährige
Beatrix von Burgund: Dadurch erringt Friedrich Herrschaftsrechte in
Burgund und in der Provence. Zehn Kinder zeugt Barbarossa mit seiner
Frau.

Der “Löwe” wird zum Gegner


Der Machtkampf in Italien bindet Kräfte und lässt auf deutschem Boden
die Territorialherrscher erstarken. Heinrich der Löwe, Herzog von
Sachsen und Bayern, wird zum Gegner Friedrich Barbarossas. Er gilt als
machtgierig und tritt als Städtegründer in Erscheinung: In Bayern legt
er das Fundament für eine Marktsiedlung, die den Namen “Munichen”
erhält - das heutige München. Heinrich gründet auch die Städte Lübeck,
Braunschweig und Schwerin. Er macht damit deutlich: Neben dem Kaiser
gibt es auch mächtige deutsche Fürsten. Heinrich der Löwe bietet
Barbarossa die Stirn. Als Heinrich ihm schließlich die Gefolgschaft
verweigert, wird er in die Verbannung geschickt.

Auch in Italien nehmen die Konflikte kein Ende: Bei der Schlacht von
Legnano im Mai 1176 geht es um die Frage, wie weit die Macht des
deutschen Königs als römischer Kaiser reicht. Barbarossa verliert - und
er hat mit dieser Niederlage nicht nur eine Schlacht verloren. In
Venedig kommt es im Jahr 1177 zum bis dahin größten Friedenskongress
der europäischen Geschichte. Gesucht wird nach einem Ausgleich der
Interessen zwischen Deutschen und Italienern. Barbarossa muss sich
unterwerfen. “Der wahre Kaiser ist der Papst”, heißt es fortan.

Todesumstände weiter ungeklärt


Mit 67 Jahren bricht Barbarossa zu einem Kreuzzug nach Jerusalem auf.
Doch er wird dort nie ankommen. Es ist der 10. Juni 1190: die Sonne
brennt vom Himmel. Friedrich durchquert mit seiner Leibgarde den Fluss.
Nach einem Imbiss will er in dem kühlen Gebirgsgewässer ein Bad nehmen.
Er steigt ins Wasser und ertrinkt vor den Augen seiner fassungslosen
Soldaten. Die Umstände seines plötzlichen Todes sind bis heute
ungeklärt.

Barbarossas Bilanz fällt eher nüchtern aus: In den Kämpfen gegen den
Papst muss er sich am Ende unterwerfen, seine Italienpolitik scheitert.
Dennoch: Er geht als große Persönlichkeit in die deutsche Geschichte
ein. Wie kein anderer deutscher Herrscher vor und nach ihm verkörpert
er den Glanz des hohen Mittelalters.

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[ZDF] Die Deutschen - Teil 2 Heinrich und der Papst

Freitag, 31. Oktober 2008 | Autor: Lilu

~ Folge 2 ~
Heinrich und der Papst
Durch Selbsterniedrigung zum Erfolg

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Es ist ein Machtkampf, wie es ihn nie zuvor gegeben hat: König gegen Papst. Wer ist der Stärkere? Es geht um die Macht im Königreich der Deutschen und im christlichen Abendland. Als der deutsche König Heinrich IV. im Jahr 1077 in Canossa vor Papst Gregor VII. kniet, scheint er auf dem Tiefpunkt seiner Macht angekommen. Die nackte Angst vor dem Verlust der Krone hat den stolzen Herrscher zu diesem letzten Mittel greifen lassen. Nur der Papst kann seine Macht retten und ihn vom kirchlichen Bann lösen.

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In der Burg Canossa in Oberitalien bahnt sich die Entscheidung an. Ihr Name wird in die Geschichte eingehen, denn in dieser Burg hat sich der Papst verschanzt. Er befürchtet einen Angriff des deutschen Königs. Holt der sich seine Krone jetzt zurück?

So etwas hat es in der Geschichte noch nicht gegeben. Was treibt den König auf Knien zum Papst? Immerhin ist er der mächtigste weltliche Herrscher auf Erden. Der “Gang nach Canossa” steht bis heute sprichwörtlich für die schlimmste Selbsterniedrigung eines Kontrahenten. In Canossa findet eine Auseinandersetzung ihren Höhepunkt, die die mittelalterliche Welt erschütterte. Im sogenannten “Investiturstreit” stritten Papst Gregor und König Heinrich um nichts Geringeres als die beherrschende Machtposition in der christlichen Welt.

Wer steht über wem?

Im Kern geht es um die Frage, ob der Papst über dem Kaiser steht oder der Kaiser über dem Papst. Als Heinrich ihm den Gehorsam verweigert, belegt ihn der Pontifex mit dem Bann. Das kommt faktisch einer Absetzung gleich. Heinrich zahlt mit gleicher Münze heim und spricht dem “falschen Mönch”, wie er den Papst nennt, die Amtsgewalt ab. Doch die deutschen Fürsten schlagen sich auf die Seite des Papstes. Sie geben Heinrich ein Jahr Zeit, sich vom Bann zu lösen - sonst werden sie einen neuen König wählen.

Jetzt muss Heinrich einlenken. Durch Schnee und Eis zieht er über die Alpen und fällt vor dem Papst in Canossa auf die Knie. Beim Gang zum Papst ist Berechnung im Spiel, und Heinrichs Plan geht auf: Er rettet seine Macht als deutscher König. Vom Bann befreit, kehrt Heinrich zurück in sein deutsches Königreich. Als er 1080 auch seinen Kontrahenten unter den Fürsten, den “Gegenkönig” Rudolf von Rheinfelden, auf dem Schlachtfeld bezwingt und tötet, ist seine Macht gesichert.

Heinrich greift nach der Kaiserkrone

Jetzt will er mehr: Die Kaiserkrone, wie sein Vater. Als deutscher König ist er dazu erwählt - doch krönen muss ihn der Papst. Am Ostersonntag des Jahres 1084, in der Peterskirche in Rom, ist es so weit: Heinrich lässt sich von einem neuen Papst zum Kaiser krönen. Keiner soll über ihm, dem Kaiser stehen.

Der abgesetzte Gregor VII. verbringt seine letzten Tage im Exil in Salerno. Heinrich IV. stirbt 21 Jahre später im Jahr 1106. Der Konflikt von weltlicher und geistlicher Gewalt hatte Folgen für die Geschichte: Es ist nicht das römische Kaisertum, sondern die Kirche, die als einzige Supermacht des Mittelalters unangefochten bleiben sollte.

Investiturstreit und Wormser Konkordat

Den Kampf zwischen weltlicher und geistlicher Macht in den Jahren 1075 bis 1122 bezeichnet man als Investiturstreit, obwohl es um mehr ging als um die Frage, wer über die Berufung von Bischöfen entscheiden durfte. Die Zuständigkeit für die “Investitur”, also die Einsetzung der Bischöfe, war eines der wichtigsten Machtpotenziale des Mittelalters: Denn wer den Bischof bestimmte, entschied damit gleichzeitig über einen Großteil der Machtverteilung im Reich. Gregor VII. war fest entschlossen, diese “Investitur” wieder vollständig der Kirche zu übertragen.

1122 in Worms kommt es zu einer Einigung. Das “Wormser Konkordat” regelt ab diesem Zeitpunkt die Bischofsernennung neu: Innerhalb des Bischofsamtes wird nun zwischen dessen weltlichen und geistlichen Funktionen unterschieden. Die Trennung zwischen weltlicher und geistlicher Macht - hier wurde sie festgeschrieben.

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